Bildungsdefizite verursachen massive Gesundheitsfolgen

Mehr als zwei Jahre „Coronamaßnahmen“ haben der Gesundheit von Körper, Geist und Psyche sehr geschadet. Besonders dramatisch trifft es die jüngste, gesündeste und besonders schützenswerte Bevölkerungsgruppe: Kinder und Jugendliche. Viele Studien bestätigen inzwischen schwere gesundheitliche und psychosoziale Folgeschäden nicht zuletzt aufgrund des monatelang eingeschränkten Schulbetriebs.

Bildung ist eine der wichtigsten Determinanten für ein langes Leben in guter Gesundheit. Sie erhöht die Chancen auf ein höheres Einkommen und bessere Lebensumstände und prägt gesundheitsbezogene Einstellungen und Verhaltensmuster. Kindergärten und Schulen sind nicht nur die zentralen Vermittler von Bildung und bedeutender Kompetenzen, sondern auch ein wichtiger Lebensraum für Kinder und Jugendliche.
In Österreich sind 1,730 Millionen Menschen unter 20 Jahre alt. Dass sie besonders unter den Coronamaßnahmen gelitten haben und weiterhin leiden, zeigt die besorgniserregende Zunahme psychischer Probleme und Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter.

Bildungsqualität erheblich gesunken

Homeschooling und Social Distancing haben die so wichtigen sozialen Kontakte erheblich eingeschränkt. Hinzu kommt: Die Schulen waren nicht auf wochen- und monatelanges Homeschooling vorbereitet. Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien fielen weiter zurück. PädagogInnen konnten ihrer Verantwortung den Schutzbefohlenen gegenüber vielfach nicht gerecht werden. Statt den Kindern in der Krise Halt zu geben, zwangen sie die Verordnungen zu „Handlangern“ einer rigiden, unverhältnismäßigen Coronapolitik zu werden.
Entsprechend ist die Qualität von Bildung zuletzt stark gesunken. Daraus resultierende Bildungsdefizite haben mittel- und langfristige Folgen für die kindliche Entwicklung. Dass die Coronakrise die Ungleichheiten und die Defizite, die für Kinder und Jugendliche in Österreich und weltweit bestehen, nochmals deutlicher sichtbar gemacht und verschärft hat, bestätigt der aktuelle Bericht der Österreichischen Liga für Kinder- und Jugendgesundheit.

Gesundheitsziel 6 klar verfehlt

“Gesundes Aufwachsen für alle Kinder und Jugendlichen bestmöglich gestalten und unterstützen” lautet das Gesundheitsziel 6 des Bundesministeriums für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz. Hier wird festgehalten, welche große und vielschichtige Rolle Bildung für ein gesundes Heranwachsen und eine gute biopsychosoziale Entwicklung spielt. Umgekehrt beeinflussen Gesundheit und Gesundheitsverhalten von Kindern und Jugendlichen deren Bildungserfolg.

“Diese Regierung hat vollkommen unnötig und ohne Not der kommenden jungen Generation hunderttausende gesunde Lebensjahre gestohlen.”

Dr. Martin Sprenger

Eine unverhältnismäßige Pandemiepolitik hat die Erreichung dieses Gesundheitsziels deutlich erschwert und alle bisherigen Erfolge konterkariert. Nicht nur die biopsychosoziale Entwicklung, sondern auch das Gesundheitsverhalten hat sich in den letzten zwei Jahren deutlich verschlechtert. „Faktum ist, diese Regierung hat vollkommen unnötig und ohne Not der kommenden jungen Generation hunderttausende gesunde Lebensjahre gestohlen“, kritisiert der Arzt und Gesundheitswissenschaftler Dr. Martin Sprenger. „Mehr als zwei Jahre lang schon werden Kinder und Jugendliche durch die österreichische Regierung mit ihrem medizinisch-virologischen Tunnelblick und unverhältnismäßigen Maßnahmen drangsaliert.“ Zu den Folgen zählt eine Zunahme u.a. von Angststörungen, Depressionen und Selbstmordversuchen sowie Ess- und Schlafstörungen. Die psychosozialen Folgen sind aber nur ein Teil des verursachten Schadens. „Da kommen ja noch Bildungsdefizite, Kinderarmut, vergrößerte Ungleichheit, Jobverluste, Suchtprobleme, Bewegungsmangel und vieles mehr dazu“, betont Sprenger.

Stress durch Ängste und Einsamkeit  

Der Schaden der rein virologischen Ausrichtung der (Gesundheits-)Politik wird in vielen Fällen nicht mehr wiedergutzumachen sein. „Mit Sicherheit kann schon heute festgestellt werden, dass sich die gesundheitlichen und sozialen Ungleichheiten deutlich verstärken und Österreich bei der Anzahl der in guter Gesundheit verbrachten Lebensjahre im europäischen Vergleich weiter zurückfällt“, unterstreicht Sprenger.
Auch der Psychoneuroimmunologe Prof. DDr. Christian Schubert geht davon aus, dass uns die Folgen der Coronamaßnahmen noch Jahre und Jahrzehnte beschäftigen werden. „Das, was uns und unseren Kindern aufgrund von Kontaktbeschränkungen etc. in den vergangenen zwei Jahren untersagt wurde, ist in vielen Fällen genau das, was uns aus Sicht der Psychoneuroimmunologie guttut und unser Immunsystem gesund hält.“ Das sind unter anderem die sozialen Kontakte zu Familie und Freundeskreis, Geselligkeit, menschliche Nähe und Berührungen.
Zum „sozialen Lockdown“ kamen weitere belastende Faktoren: kein geregelter Schulalltag, die Angst, möglicherweise die Großeltern anzustecken, und bedrückende Situationen innerhalb des eigenen Zuhauses die Krise griff (und greift) tief in die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen ein, die Folge seien „desaströse Situationen“: „Ich rede von existenzbedrohten Familien, von Trennung der Eltern, von körperlichem, emotionalem und sexuellem Missbrauch. Traumatisierte Kinder sind gefährdet, an langfristigen Immunstörungen zu leiden, weil ein sich entwickelndes Immunsystem äußerst sensibel auf belastende, emotional kalte und missbräuchliche Lebensumstände reagiert“, präzisiert Schubert.

Viele alarmierende Studien

Anders als für die Risikogruppen (z.B. chronisch Kranke, hochbetagte Menschen) stellt das Coronavirus für gesunde Kinder und Jugendliche in der Regel keine große gesundheitliche Bedrohung dar. Nur wenige sind in Österreich schwer an COVID-19 erkrankt. „Es gibt jedoch hunderttausende Kinder und Jugendliche, die unter den Folgen der Maßnahmen leiden. Sehr viele von ihnen leiden schwer. Bei viel zu vielen wurde das ganze Leben beeinträchtigt“, unterstreicht Sprenger. „Wenn nur jedes zehnte Kind ein gesundes Lebensjahr verliert, dann sind das über 150.000 verlorene gesunde Lebensjahre. Wahrscheinlich sind es viel, viel mehr.“ Die Maßnahmen für Kinder und Jugendliche waren zu keinem Zeitpunkt verhältnismäßig, der angerichtete Schaden um ein Vielfaches größer als der geringe Nutzen, der damit generiert wurde, kritisiert der Arzt. „Auch wurde kein einziges Mal eine Gesundheitsfolgenabschätzung durchgeführt, kaum etwas zur Folgenminderung unternommen. Die Überlastung der Kinder- und Jugendpsychiatrien wurde genauso ignoriert, wie die Gesundheitsziele und alles, was ein gesundes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen ausmacht.“

Sorgen und Konzentrationsstörungen

Ein längerer Ausschluss aus ihrem gewohnten Alltag beeinträchtigt Kinder und Jugendliche in ihrer kognitiven, emotionalen und sozialen Entwicklung. Wie sehr die im Zuge der Pandemie gesetzten Maßnahmen und Restriktionen das Kindeswohl gefährden, wurde unter anderem an der Universitätsklinik für Kinder und Jugendpsychiatrie der Medizinischen Universität Innsbruck im Rahmen einer Studie untersucht – mit dem Ziel, ein Screening-Instrument zur Früherkennung von Belastungen zu entwickeln. Zeigten im Frühjahr 2020 noch drei Prozent klinisch relevante Symptome, waren es ein Jahr später bereits 15 Prozent der Kinder zwischen drei und zwölf Jahren. Vor allem Mädchen berichteten über Angst, Sorgen und körperliche Symptome wie Bauchweh und Schlafstörungen. Buben gaben zusätzlich Konzentrationsstörungen und Aufmerksamkeitsprobleme an.

Triage an Kinder- und Jugendpsychiatrien

Laut einer Studie der Donauuniversität Krems kämpfen mehr als die Hälfte der Schüler und Schülerinnen ab 14 Jahren mit depressiven Symptomen, weisen eine depressive Symptomatik auf, rund die Hälfte zeigt Angstsymptome, 47 Prozent leiden unter Schlafstörungen, 16 Prozent haben wiederholt Suizidgedanken. Suchtverhalten (Spielen, Konsum von Süßigkeiten, Alkohol) tritt verstärkt auf, sechs von zehn Kindern haben Essstörungen. Besonders dramatisch ist die Zunahme magersüchtiger Kinder und Jugendlicher, wie man nicht nur in Österreich, sondern auch in Deutschland besorgt feststellt. Magersucht (Anorexie, Anorexia nervosa) gehört zu den psychiatrischen Störungen mit der höchsten Sterblichkeitsrate.
Insgesamt ist die Anzahl junger Patientinnen und Patienten in Kinder- und Jugendpsychiatrien seit Krisenbeginn dramatisch angestiegen: Das heißt, viele Kinder, für die eine stationäre Aufnahme und Behandlung dringend notwendig wäre, erhalten diese nicht.

Depressionen und Ängste stark verbreitet

Im Rahmen der Online-Befragung „Jetzt sprichst Du!“ von Februar bis April 2021 haben Univ. Prof. Dr. Manuel Schabus und Esther-Sevil Eigl Msc. vom Fachbereich Psychologie der Universität Salzburg SchülerInnen zwischen sechs und 18 Jahren eine Stimme gegeben (N= 5.483). Schon damals gaben zum Beispiel von den 949 befragten Volksschulkindern 75 Prozent an, dass es ihnen schlechter als früher geht. Jedes zweite Kind fühlt sich öfter wütend oder genervt (58%), traurig (46%) oder einsam (43%). Unter Angst aufgrund der aktuellen Lage leidet jedes zweite Mädchen und jeder dritte Junge. Mehr als jedes dritte Kind berichtet nun plötzlich über Schlafstörungen, was in diesem jungen Alter sehr unüblich ist.

Soziale Kontakte fehlten massiv

Um sich seelisch gesund zu entwickeln, brauchen Kinder und Jugendliche in allen Entwicklungsphasen – vom dritten bis zum 18. Lebensjahr – ein gesundes soziales Umfeld außerhalb ihrer Familien. Mit dem Schulalltag mussten sie monatelang auf diese wichtigen sozialen Kontakte verzichten – ebenso auf die regelmäßige Tagesstruktur. Am meisten vermiss(t)en die Kinder und Jugendlichen im Frühjahr 2021 die Normalität des Alltags ohne Beschränkungen, wie sie in der großen Online-Studie „Jetzt sprichst Du!“ angaben. 41 Prozent der Kinder wünschen sich, Sport mit anderen Kindern treiben zu können. 59 Prozent träumen davon, keine Maske mehr tragen zu müssen und die Gesichter der Menschen sehen zu können. „Die Kinder vermissen zusammengefasst einfach die dringend nötige Bewegung und Begegnung“, betont Schabus.

Masken bremsen soziale und sprachliche Entwicklung

Besonders kritisch ist auch die Maskenpflicht zu sehen: „Bis heute gibt es keinen soliden wissenschaftlichen Beweis, dass eine Maskenpflicht in den Schulen den erwünschten Effekt auf das Infektionsgeschehen hatte und in der Gesamtbilanz mehr nutzt als schadet“, unterstreicht Sprenger. Zu den unerwünschten Effekten von Masken gibt es eine neue Untersuchung aus Großbritannien: Nach Gesprächen in 70 Betreuungseinrichtungen erklärt die britische Schulaufsichtsbehörde (Ofsted), dass die Coronamaßnahmen (z.B. das Maskentragen von Bezugspersonen) die soziale und sprachliche Entwicklung von Kleinkindern beeinträchtige und verzögere. Den Kindern falle es demnach schwerer, Freundschaften zu schließen und zu sprechen. Man beobachtet zudem ein begrenztes Vokabular und die Unfähigkeit auf einfachste Gesichtsregungen zu reagieren.

Risiko-Nutzen-Abwägung und Aufarbeitung notwendig

Was es nun braucht? „Gefordert ist eine unabhängige und korrekte Aufarbeitung der fehlgeleiteten Maßnahmen-Politik“, betont Sprenger. „Wir müssen die Kinder endlich aus dieser krankhaften risikoorientierten Betrachtung befreien.“ Rückwirkend müssen „alle Maßnahmen in Bezug auf die Auswirkungen auf die biopsychosoziale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen evaluiert werden. Insbesondere Maßnahmen im Bildungsbereich, aber auch alle sonstigen Einschränkungen für diese junge und sehr gesunde Bevölkerungsgruppe.“ Diese Aufarbeitung hat in vielen Ländern längst begonnen, auch hinsichtlich der physischen und psychischen Gewalt an Kindern und Jugendlichen in den letzten zwei Jahren. Die britische Psychologin Dr. Rosie Gray zeigt in ihrem Essay auf, welche Aspekte dabei zu berücksichtigen sind.


Gesundheit für Österreich
fordert die Abschaffung sämtlicher Coronamaßnahmen sowie einen uneingeschränkten freien Zugang zu Bildung für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene – unabhängig von ihrem Impfstatus. In Zukunft muss von allen Maßnahmen, für die ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis bei Minderjährigen nicht eindeutig wissenschaftlich belegt ist, Abstand genommen werden. Die Gesundheitskompetenz von Lehrkräften, Eltern und SchülerInnen sollte verbessert werden, um gesundheitsbezogene Fähigkeiten zu fördern. Der Bildungsbereich sollte mit ausreichend Ressourcen ausgestattet werden, um seine wichtige gesellschaftliche Aufgabe erfüllen zu können.


Filmtipp

“Eine andere Zukunft“ von von Patricia Marchart und Georg Sabransky,
Verein ZUKUNFT KINDERRECHTE

Der Dokumentarfilm ist in enger Zusammenarbeit mit namhaften, engagierten Menschen aus Wissenschaft und Medizin (A, D, CH) sowie zahlreichen jungen Menschen entstanden; damit wir miteinander ins Gespräch kommen und einander wieder besser verstehen.

Ab 15.05.2022 auf der Webseite www.eine-andere-zukunft.com
Link zum Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=r6vlyMRShBA